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Auswirkungen der Pandemie auf die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen

Treffen zwischen Vertretern der Landesregierung, Kinder- und Jugendanwaltschaft, Südtiroler Jugendring, netz und Arbeitsgemeinschaft der Jugenddienste.

Am 16. Dezember trafen die Landesräte Deeg, Achammer, Alfreider und Vettorato, die Kinder- und Jugendanwältin Höller, Tanja Rainer und Kevin Hofer vom Südtiroler Jugendring, Robert Perathoner, Wolfram Nothdurfter und Karin Husnelder vom netz sowie Karlheinz Malojer von der AGJD zusammen.

Im Vorfeld hatten die Kinder- und Jugendanwaltschaft und die Dachverbände in einer Stellungnahme die Landesregierung auf jene Punkte aufmerksam gemacht, wo aus Sicht der Kinder und Jugendlichen Handlungsbedarf besteht. Gegenstand des virtuellen Treffens war ein Austausch darüber.

Die Kinder- und Jugendanwältin Höller berichtete, dass sie sehr viele Anfragen zu den Schließungen der Schulen erhalten hat: „Gerade auch für ältere Schüler ist die Schule ein wichtiger Teil des Lebens. Schule bedeutet für die Jugendlichen Normalität, Alltag und Routine. Dass auch in den Oberschulen am 7. Jänner wieder Präsenzunterricht stattfindet, ist für die Sozialisierung und die psychische Gesundheit der jungen Menschen unbedingt notwendig. Viele Jugendliche ziehen sich bereits sozial zurück, die mittel- und langfristigen Auswirkungen sind noch gar nicht absehbar.“

Die drei Bildungslandesräte wiesen darauf hin, dass die Corona-Krise ausgerechnet jenen viel abverlange, die von schweren Krankheitsverläufen durch das Virus am wenigsten gefährdet seien. „Jugendliche verzichten auf das Jungsein, auf das aktiv sein, sich ausprobieren, sich ausleben, auf Unbeschwertheit“, erklärte Landesrat Philipp Achammer. „Die Sturm-und-Drang-Phase, die die Jugend aufgrund der Corona-Einschränkungen nicht leben kann, ist aber entscheidend für die persönliche Entwicklung von Jugendlichen. Auch hier geht es darum, Kompromisse zwischen bestmöglicher Sicherheit und so viel Alltag wie möglich einzugehen. Die Rückkehr zu einem größtmöglichen Präsenzunterricht in der Oberstufe wäre dahingehend ein erster Schritt“. Landesrat Giuliano Vettorato fügte hinzu: „In Pandemiezeiten bleibt die Gesundheit das vorherrschende Thema, wir dürfen aber keinesfalls die psychologischen Folgen verkennen, die Covid-19 bei den jüngeren Generationen auslöst, die andere Seite dieser langen Zeit der Unsicherheit, die wir alle erleben. Spannungen und Ängste betreffen vor allem die fragilsten Personen und zwangsläufig auch junge Menschen und durch Netzwerkarbeit müssen wir uns diesen Dynamiken gemeinsam stellen. Das ist grundlegend, um viele junge Menschen dabei zu unterstützen diese Zeit, in der ein starkes Gefühl der Isolation vorherrscht, bestmöglich zu überstehen.“ Auch der ladinische Bildungslandesrat Daniel Alfreider unterstrich die Bedeutung von sozialen Kontakten der Kinder und Jugendlichen, speziell in dieser herausfordernden Zeit. „Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, den Zugang der Kinder und Jugendlichen zu sozialen Kontakten, sei es in der Schule als auch außerhalb, so gut es geht zu ermöglichen“, sagte Alfreider.

Auch für Familienlandesrätin Waltraud Deeg ist eine möglichst baldige Öffnung der Bildungs- und Begleitangebote (wie der Jugendtreffs) oder die Wiederaufnahme des Präsenzunterrichtes in der Oberschule ein zentrales Anliegen: „Kinder, Jugendliche und deren Familien zählen sicherlich zu jenen, die unter den coronabedingten Einschränkungen am meisten leiden. Gerade aus diesem Grund ist es mir besonders wichtig, dass die Bildungs- und Betreuungseinrichtungen in einem Grundbetrieb – immer unter Einhaltung der notwendigen Hygiene- und Sicherheitsbestimmungen – in jeder Phase der Pandemie zugänglich bleiben. Wir müssen, noch mehr als bisher, den Kindern und Jugendlichen zuhören, sie und ihre Anliegen ernst nehmen und mit ihnen gemeinsam gute Bildungs- und Begleitangebote auch in Pandemiezeiten etablieren.“

 

Das netz forderte, dass Jugendzentren, -treffs und Jugendkulturvereine wieder öffnen, die AGJD forderte, dass auch andere Orte, wo sich Kinder und Jugendliche treffen, öffnen. Bereits im Frühjahr mussten Jugendorganisationen und -einrichtungen sowie Sportstätten und Orte, in denen soziale Kontakte und Interaktionen junger Menschen stattfinden, ihre Regeltätigkeit einstellen. Dabei ist unmittelbarer Kontakt mit den Jugendlichen auf lange Sicht unumgänglich: Als Teil des Lebensumfeldes junger Menschen schafft die Jugendarbeit Räume, in welchen Heranwachsende sich austauschen können. Dieser Austausch ist für die Entwicklung der eigenen Identität, der Teilhabe und Orientierung an der Gesellschaft von enormer Wichtigkeit. „Kindern und Jugendlichen bleiben Spannungen innerhalb der Familie wie Konflikte, Existenzängste, Sorgen um Arbeitsplätze, nicht verborgen. Einige junge Menschen verfügen über weniger stabile private Netzwerke und geringere soziale und materielle Ressourcen als Gleichaltrige. Jugendarbeit leistet insbesondere für bildungs- und ökonomisch benachteiligte junge Menschen einen wesentlichen Beitrag zur gesellschaftlichen Integration und Teilhabe,“ so die Geschäftsführerin vom netz Karin Husnelder.

„Die Perspektive von jungen Menschen muss stärker berücksichtigt werden, vieles wird aktuell aus der Perspektive der Erwachsenen geplant und umgesetzt. Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen sind nicht immer deckungsgleich mit jenen ihrer Eltern, der Erwachsenenwelt und der Wirtschaft,“ fügte der Geschäftsführer der AGJD Karlheinz Malojer hinzu.

Der Südtiroler Jugendring hat anschließend das Thema Generationengerechtigkeit angesprochen. „Wir leben derzeit auf Kosten unserer Kinder und Jugendlichen, indem wir Schulden aufnehmen, die sie zurückzahlen werden. Nachdem wir uns gerade sehr viel Geld bei unseren Kindern leihen, müssen wir dieses so einsetzen, dass es auch nachhaltig wirkt. Das gilt gerade auch für den Landeshaushalt,“ bemerkt Tanja Rainer, die Vorsitzende des Südtiroler Jugendringes.

Alle Anwesenden waren sich abschließend darüber einig, dass den Kindern und Jugendlichen in unserer Gesellschaft der Stellenwert und die Chancen, die ihnen zustehen, gesichert werden müssen, um die jungen Menschen zukünftig - nicht nur für den Fall einer dritten Welle der Pandemie - besser zu unterstützen.

KIJA

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