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Kinder- und Jugendanwaltschaft | 15.11.2018 | 11:33

Vom Recht auf Spiel

Paula Maria Ladstätter zum morgigen internationalen Tag der Toleranz (16. November): Spielen gehört zu den Grundbedürfnissen der Kinder!

Spiel ist ein Grundbedürfnis von Kindern. Kinder haben ein Recht auf Spiel. Das regelt der Artikel 31 der UN-Kinderrechtskonvention von 1989. Südtirols Kinder- und Jugendanwältin Paula Maria Ladstätter nutzt den Welttag der Toleranz am 16. November, um dieses Recht für Kinder einzufordern. Nicht überall in Südtirol ist Kindern das Spielen gewährt. In den vergangenen fünf Jahren gab es bei der Kinder- und Jugendanwaltschaft die Forderung, drei Kinderspielplätze zu schließen oder deren Öffnungszeiten zu verkürzen. Es brauche mehr Toleranz, aber auch Partizipationsprozesse, um gute Wege für Kinder und Erwachsene zu finden, sagt Paula Maria Ladstätter.

Es geht um das Spiel im Freien und ohne pädagogische Anleitung seitens Erwachsener. Spiel ist ein biologisch angelegtes Muster im Menschen und braucht keine Begründung. Doch nicht für alle Kinder ist Spielen eine Selbstverständlichkeit. Dabei sei die Erfahrung des Spielens für die kindliche Entwicklung von großer Bedeutung, sagt Südtirols Kinder- und Jugendanwältin: Spielen kann beispielsweise Kindern, die in Armut aufwachsen, helfen, ihre Lebenssituation besser zu meistern. Beim gemeinsamen Spiel lernen Kinder Regeln kennen, die allen nützen und Konflikte verhindern. Die Kinder verstehen, dass ein Team nur dann erfolgreich ist, wenn die Stärken aller MitspielerInnen zur Geltung kommen. Kinder, die spielen und Sport treiben, haben es auch in der Schule leichter: Ihre Lernfähigkeit verbessere sich nachweislich, sagt Paula Maria Ladstätter. Spiel als therapeutische Methode könne helfen, traumatische Erfahrungen zu überwinden. Tablets, Smartphones und andere technische Spielzeuge haben Einfluss auf die Entwicklung von Kindern. Sie können dazu führen, dass Kinder sich körperlich und emotional nicht entwickeln und ihre soziale Kompetenz beeinträchtigen. Das kann motorische Defizite zur Folge haben, frühe Kurzsichtigkeit, Übergewicht, Lernschwierigkeiten oder Probleme im Beziehungsverhalten.

Paula Maria Ladstätter erklärt: „Wenn man vom Spielen redet, geht es schnell um Kinderspielplätze.“ Bei Kinderspielplätzen sei die Lautstärke häufig der Stein des Anstoßes. Die Toleranz von Erwachsenen sei dabei nicht sehr groß, stellt die Kinder- und Jugendanwältin immer wieder fest. Im Laufe ihrer fast fünfjährigen Tätigkeit wurden Paula Maria Ladstätter drei Spielplätze genannt, wo Anrainer die gänzliche Schließung oder verkürzte Öffnungszeiten verlangten. Sie forderten unter anderem, dass auf dem Spielplatz zumindest ein Tag Pause eingelegt werden solle (Sonntagsruhe). Andere beharrten, dass der Spielplatz im Sommer abends nur bis 18 Uhr geöffnet sein dürfe, in der Mittagszeit geschlossen oder in der Früh später aufgesperrt werden müsse. „Kinderbedürfnisse sind anders als die von Erwachsenen“, gibt Paula Maria Ladstätter zu bedenken. Es gehe um mehr Toleranz für Kinderlärm, aber auch um Partizipation beider Seiten: „Erwachsene und Kinder sollten sich gemeinsam auf Prozesse einlassen, um tragfähige Lösungen zu erarbeiten“, plädiert die Kinder- und Jugendanwältin. Ansonsten verhärten sich die Fronten und das Augenmerk liege nur mehr auf gegenseitigen Belästigungen und Beleidigungen, die alle Beteiligten Nerven kosten.

Die Kinder- und Jugendanwaltschaft steht bei Problemen mit Spielplätzen mit Gesprächen und Mediationsangeboten zur Verfügung. Weitere Informationen erhalten Interessierte bei der Kinder- und Jugendanwaltschaft unter Tel. 0471 946 050 und per Mail an info@kinder-jugendanwaltschaft-bz.org.

(KJA)